Holacracy verstehen

Kritik – Wissenschaft – Praxis

Über dieses Buch:

Holacracy ist eine alternative Art zu arbeiten, eine Form von Selbstorganisation und Strukturierung von Organisationen mit dem Ziel Hierarchien abzubauen. Holacracy wird seit über 15 Jahren in Organisationen praktiziert und kritisch betrachtet.

Dieses Buch ordnet die einseitige Kritik an Holacracy aus einer umfassenderen Perspektive und aus der Sicht eines erfahrenen Holacracy-Praktikers ein, beantwortet sie im Detail und hinterfragt dabei kritisch die Methoden der Wissenschaft selbst.

Mithilfe des Polaritätsmanagements nach Barry Johnson und der integralen Theorie nach Ken Wilber werden Denkfiguren angeboten, mithilfe derer man systematisch vernachlässigte Perspektiven auf Managementpraktiken sinnvoll ergänzen kann. Somit liefert dieses Buch einen wertvollen Beitrag für einen konstruktiveren Dialog zwischen Organisationspraktikern und Organisationsforschern.

Über den Autor

Dennis Wittrock, M.A., ist zertifizierter Holacracy® Master Coach bei Xpreneurs sowie Partner bei encode.org mit Holacracy-Erfahrung in unterschiedlichen Kontexten — vom DAX-Konzern, KMU, Start-up bis hin zur Non-Profit-Organisation. Magister in Philosophie von der Universität Bremen.

 

Für wen ist dieses Buch?

„Holacracy verstehen“ ist ein Buch für alle, die sich tiefer mit neuen Formen von Organisation und der Zukunft von Arbeit beschäftigen, z.B. Organisationsentwickler, Gründer, Führungskräfte, HR-Experten und Organisationswissenschaftler. Darüber hinaus enthält es Impulse, die für interdisziplinäre Denker relevant sind.

Was dieses Buch nicht ist:

Dieses Buch ist keine handlungspraktische Anleitung zur Einführung von Holacracy. Es kann aber sehr nützlich sein, wenn man bereits Holacracy praktiziert, weil es an bestehende Erfahrungswerte anknüpft und helfen kann, Fehlentwicklungen der Praxis zu erkennen. Das Buch hat weder den Anspruch die Erfahrung von Holacracy zu ersetzen, noch kann es das. Probieren geht über Studieren.

Zentrale Inhalte:

  • grundlegende Informationen über Holacracy: was es ist, welche Elemente es enthält und wie es funktioniert
  • was Holacracy von der Soziokratie unterscheidet
  • eine Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung und der Kritik an Holacracy
  • konkrete Empfehlungen für Holacracy-Praktiker zum Umgang mit mangelhafter Praxis
  • Polaritätsmanagement und wie es bei der Navigation zentraler Polaritäten in Holacracy (und anderen Organisationsformen) helfen kann
  • Organisationspraxis und Organisationsforschung aus Sicht einer integral informierten Erkenntnistheorie

Stimmen zum Buch

„Was Dennis von vielen Holacracy-Befürwortern unterscheidet, ist, dass er die Grenzen von Holacracy und ihre kritischen Aspekte weitaus besser versteht als diejenigen, die Kritik üben, und beide mit dem nötigen Kontext vermittelt, um angehenden Praktikern zu helfen, die Fallstricke von Holacracy zu vermeiden und gleichzeitig ihre vielen Vorteile zu nutzen.“

- Brian J. Robertson

Entwickler von Holacracy & Gründer von GlassFrog

„Dennis Wittrock trifft den Nagel auf den Kopf mit Klarheit in der Analyse und Tiefe der Vermittlung – ein Buch für Forscher und Praktiker gleichermaßen. Für Praktiker ist dies das, worauf wir gewartet haben – eine Arbeit, die weit über einfache Tipps und Tricks hinausgeht. Dennis begegnet uns mit der Ernsthaftigkeit eines Meisterpraktikers, der einzigartig in der Lage ist, umsetzbare Erkenntnisse aus der Tiefe seiner persönlichen Erfahrung ans Licht zu bringen. Ein Muss auf Ihrer Leseliste.“

- Thomas Thomison

Mitbegründer von HolacracyOne, Gründungsmitglied von encode.org, LLC

„In dieser umfassenden Abhandlung stellt Dennis Holacracy auf geschickte Weise innerhalb eines historischen, intellektuellen und praktischen Kontexts, der hilfreich ist für jeden, der dieses faszinierenden öffentlichen Narrativ verfolgt hat oder der erneut in dieses Abenteuer hineingezogen wird. Sein fundiertes Verständnis von Entwicklungspsychologie und Organisationstheorie lässt Holacracy in einem frischen Licht erscheinen. Für mich liegt das Gold darin, wie er sich auf mitfühlende Weise mit den Kritikern von Holacracy beschäftigt und die Perspektiven derjenigen würdigt, die anderswo auf dem sprichwörtlichen Berg stehen, während er seine Arbeit bei der Umsetzung der Praxis in führenden Firmen reflektiert.“ (Auszug aus dem Vorwort)

- Aimee Groth

Partner, HolacracyOne - Autorin von "The Kingdom of Happiness"

Rezensionen

“Holacracy gehört zu den wohl bekanntesten praktischen Anwendungen, die auf Grundlage der Integralen Theorie Ken Wilbers entwickelt wurden. Seit im Business Agilität immer mehr Bedeutung gewinnt, findet dieses »Betriebssystem« für Unternehmen und Organisationen auch starke Beachtung im Mainstream. Dennis Wittrock gehört zu den Anwendern der ersten Stunde und hat als Master Coach wesentlich zur Verbreitung von Holacracy beigetragen. Diese langjährige Expertise und sein praktisches Erfahrungswissen atmet auch sein Buch. Wittrock vermittelt einen umfassenden und sehr kompetenten Überblick über Aufbau und Strukturen von Holacracy, gibt Einblicke, wie sich Führungssysteme mit der Methode aufbauen lassen, und zeigt, was in der Zusammenarbeit zu beachten ist. Der Sprung von Top-Down-Hierarchien zur agilen Systematik ist für viele Anwender herausfordernd, und so wundert es nicht, dass auch einiges an Kritik über Holacracy kursiert. Wittrock macht sich in einem umfangreichen Kapitel die Mühe, vermeintliche Schwachstellen zu beleuchten und Missverständnisse auszuräumen. Allein für dieses Kapitel lohnt sich der Kauf des Buches, gerade auch für Menschen, die Holacracy bereits kennen und einsetzen, aber mit manchen Details vielleicht noch ringen.”

Dr. Nadja Rosmann

in: Evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur, Ausg. 41 (Feb 2024)

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Amazon) Holakratie wirklich verstehen 

“Im ersten Kapitel gibt Dennis eine kurze Einführung in die Holakratie und geht dann auch auf die Unterschiede zwischen Holakratie und Soziokratie ein. Mir gefällt die prägnante Einführung, die in kurzer Zeit einen guten und umfassenden Überblick über die Holakratie gibt.

Das zweite Kapitel konzentriert sich dann auf die „üblichen“ Kritikpunkte an der Holakratie. „Üblich“ deshalb, weil man sie als Praktiker (ich spreche aus 6 Jahren Umsetzungserfahrung in einem mittelständischen Unternehmen für ca. 1000MA) oft zu hören bekommt. Hier hat Stefan Kühl mit seinen Büchern hervorragende Vorarbeit geleistet und all diese Punkte akribisch aufgelistet. Die Darstellungen von Dennis sind jedoch sachlich, rational und multiperspektivisch, was für mich im Gegensatz zu den oben genannten, eher populistischen Werken eine echte Bereicherung darstellt.

Doch damit nicht genug, Dennis vertieft die gewonnenen Erkenntnisse im dritten Kapitel mit Hilfe eines fundierten Polaritätsmanagements noch weiter und beleuchtet nun ganz selbstverständlich die hinter der Holakratie stehenden Prinzipien.

Und auch das vierte Kapitel verlässt nicht den sachlich-rationalen Boden, auf dem das Buch aufbaut, wenn es versucht, die Sicht der Praxis und die der Wissenschaft zusammenzubringen. Auch Dennis hält beide Sichtweisen für absolut sinnvoll und plädiert für eine starke Ergänzung statt einseitiger und die jeweils andere Sichtweise vernichtender Urteile.

Insgesamt für mich eine bisher unerreichte Ebene, Holacracy zu erklären und bis in die Grundprinzipien zu beleuchten. Ein Muss für jeden, der sich wirklich mit Holakratie beschäftigt und beschäftigen will.”

Björn Schneider

Holacracy Coach & Agile Coach, Hypoport SE

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (ex libris) Wertvoll, um Holacracy zu verstehen oder die Maturität in der eigenen Organisation zu steigern

Falls es Bedenken zu einer möglichen Befangenheit meinerseits gibt: Ja, wir als Unic nutzen Holacracy seit knapp 7 Jahren als unser Organisationssystem und sind damit sehr erfolgreich unterwegs. Und ja, wir unterstützen auch diverse Organisationen auf ihrer Reise in einer Purpose-orientierte Selbstorganisation.

Vorweg

Ist Holacracy ein Allerheilsmittel? Nein, welches Organisationssystem ist das schon. Für das ist die Thematik zu vielschichtig und die Welt zu komplex – oder sagen wir zu vielfältig. Ist es einfach? Nein, bei weitem nicht – was ist denn heute schon “einfach” in Bezug auf die Zusammenarbeit in Organisationen – und die Zukunft mit viel mehr künstlicher Intelligenz lässt grüssen. Ist es wertvoll? Aus der Praxis kommend: und wie!

Dennis beschreibt in seinem Buch die Vorteile einer solchen Organisationsform – ohne dabei die Herausforderungen zu negieren.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die sich schon lange einmal etwas tiefer mit Holacracy und dessen Praxiseinsatz beschäftigen wollten (nicht nur vom Hörensagen) oder praktizierenden Organisationen, welche ihre Maturität dazu steigern wollen.

Kurze Zusammenfassung des Inhaltes

Kapitel 1: Einführung in Holacracy

Das erste Kapitel bietet eine Übersicht über Holacracy (u.a. auch ein paar Ergänzungen wie z.B. Gettings Things Done (GTD)). Super, dass auch beschrieben wird warum es eben nicht Holokratie sondern Holakratie heisst :-).

Dabei wird Holacracy auch der Soziokratie gegenübergestellt und man erfährt ein paar wichtige Unterschiede – aber auch Gemeinsamkeiten.

Dennis ergänzt das Ganze noch mit seiner umfassenden persönlichen Erfahrungen bei der Implementierung von Holacracy.

Wer noch nicht viel über Holacracy weiss, findet hier eine gute Zusammenfassung was es ist. Ich treffe ab und zu Leute, welche Holacracy vom “hören sagen” nicht gut finden – hier findet man eine kurze knappe Einführung dazu, damit man vielleicht etwas besser versteht was es ist und was es eben auch nicht ist.

Kapitel 2: Kritische Auseinandersetzung mit Holacracy

In Kapitel 2 setzt Dennis mit der Kritik an Holacracy auseinander, insbesondere mit den Forschungsergebnissen der Bielefelder Arbeitsgruppe um Stefan Kühl. Diese Forschungsgruppe scheint leider nur negative Punkte zu Holacracy gefunden zu haben, obwohl ich selbst sehr viele Organisationen kenne, welche sehr erfolgreich damit arbeiten – diese wurden aber für die Studien nie befragt. Zudem ist deren Datenlage leider sehr intransparent und lässt sich daher nicht auf Ausgewogenheit überprüfen.

Dennis ergänzt diese Kritikpunkte mit eigenen Beobachtungen aus der Praxis und bietet Empfehlungen für den Umgang mit diesen Herausforderungen. Es wird argumentiert, dass viele Kritikpunkte auf eine geringe Praxisreife der untersuchten Organisationen zurückzuführen sind und versucht, diese Kritiken aus einer praxisnahen Perspektive zu Kontextualisieren.

Stefan Kühl bedient in seinen Büchern viele Mythen rund um Holacracy und hier finden Interessierte dazu etwas mehr Licht, statt nur den von Kühl & Co beschriebene Schatten.

Kapitel 3: Polaritätsmanagement und Holacracy

Das dritte Kapitel wendet das Konzept des Polaritätsmanagements auf Holacracy an, um zu zeigen, wie es Organisationen ermöglicht, mit den typischen Polaritäten effektiv umzugehen. Polaritätsmanagement stellt zwei Gegensätze gegenüber und beschreibt die jeweiligen Vor- und Nachteile. Die Idee ist die Polarität zu akzeptieren und vor allem die Vorteile beider Pole zu nutzen (z.B. Zentralisierung vs. Dezentralisierung).

Durch gutes Management können die Vorteile beider Pole genutzt werden, während schlechtes Management zu Nachteilen führen kann. Dennis betont die Bedeutung einer ausgewogenen Perspektive auf Holacracy, die sowohl positive als auch negative Aspekte berücksichtigt, und warnt davor, Holacracy-Praktizierenden pauschal Naivität oder Dummheit zu unterstellen.

Ich finde das Konzept des Polaritätsmanagements ist sehr spannend. Wir kennen das in unserem Unternehmen sehr gut aus dem Alltag und versuchen u.a. mit sogenannten Strategien & Prioritäten beide Pole zu berücksichtigen, aber trotzdem eine Orientierung in Form von Prioritäten zu geben.

Dennis gibt hier viele Praxis-Tipps, wie man mit den Herausforderungen von Holacracy und Selbstorganisation umgehen kann. Ich komme selber aus der Praxis und kann sagen, dass diese Tipps sehr treffend sind und ich allen ans Herz legen kann, welche “ernsthaft” was in der Zusammenarbeit in Organisationen verändern wollen.

Kapitel 4: Organisationspraxis und -forschung

In Kapitel 4 reflektiert Dennis kritisch das Verhältnis zwischen Organisationspraxis und -forschung und plädiert für ein erkenntnistheoretisch informiertes Wissenschaftsverständnis. Er diskutiert unterschiedliche Methodologien und argumentiert, dass Verstehen wichtiger ist als Recht zu haben. Er macht auch Vorschläge wir der Dialog zwischen Theorie und Praxis besser gelebt werden kann.

Weitere Eindrücke
  • Der Schreibstil ist sehr genau und die aufgebauten Gedankenkonstrukte spannend, aber auch fordernd
  • Beindruckend mit welcher Geduld Dennis die Aussagen von Stefan Kühl & Co Schritt für Schritt sorgfältig “auseinander” nimmt. Sehr präzise und fundiert. Zeigt einem auch wieder, was die Macht der Sprache alles verursachen, aber auch lösen kann.
  • Die Illustrationen sind super gemacht – sehr verständlich und wertvoll
  • Die Zitate am Anfang der Kapitel sind Hammer

Danke Dennis, dass du mit diesem Buch eine Lanze für dieses wertvolle Organisationssystem brichst. Wer die Prinzipien und Konzepte daraus nutzen lernt, kann sehr nachhaltige und erfolgreiche Organisationen gestalten!

Ivo Bättig

Partner, UNIC

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Amazon) Für die holakratischen Strukturen der Arbeitswelt ist das Buch ein gelungenes Kompendium.

“Dennis Wittrock, M.A., ist zertifizierter Holacracy® Master Coach bei Xpreneurs sowie Partner bei encode.org, einer holakratischen Beratungsfirma. Wer nun denkt, es wird einem ein neuer Ansatz verkauft, der irrt. Die große Leistung des Autors ist sich kritisch reflektierend mit Holacracy auseinanderzusetzen. Das bietet den großen Vorteil sowohl Holacracy als auch die klassischen Einwände und praktischen Fallstricke kennen zu lernen. Wer den Organisationsansatz Holacracy noch nicht kennt, wird nach Lesen des Buches Lust bekommen, diesen in der Praxis zu erleben. Dennis Wittrock schreibt dabei sowohl aus einer reichen Fülle an praktischer Erfahrung als auch als Wissenschaftler mit kritischem Blick.

Kap. 1 gibt auch für Kenner des Ansatzes einen konstruktiven Einblick worauf es in einer holakratischen Organisation ankommt. Der Unterschied zwischen Holacracy und Soziokratie wird klar herausgestellt. Das hat den Gewinn, dass beide Ansätze in der Unterscheidung verstanden werden, sowohl in der Idee als in der Durchführung.

In Kap. 2 wird sich dezidiert mit den kritischen Fragen auseinandergesetzt. Es werden sowohl die praktischen Fallstricke als auch die Vorannahmen von Holacracy deutlich. Es wird deutlich, dass sich die Annahmen zum Thema Kopplung von Menschen und Organisation zwischen den Verfechtern und den Kritikern des Ansatzes diametral gegenüberstehen. Die Verfechter des Ansatzes sehen Organisationen als Strukturen, in denen Menschen ihre Ziele erreichen und an etwas teilhaben können, das ihrem Leben Sinn ermöglicht. Die Kritiker gehen oftmals von der Idee aus, dass Organisationsstrukturen nur die Arbeitsleistung, aber nicht den Menschen und deren Sinn berücksichtigen.

Es wird klar, dass Holacracy ein Managementansatz ist, der uns zu neuem Denken und Handeln anregt, durch klare Strukturen und Regeln anleitet und damit die bisher gültigen Formen von Macht, Kommunikation und Entscheidungen verändert.
In Kap. 3 setzt sich Dennis Wittrock anhand des Polaritätsmanagementansatzes von Barry Johnson mit den klassischen Dynamiken in Organisationen auseinander, unabhängig von der Form der Hierarchie und gibt im Anschluss anhand des Holacracy Ansatzes Lösungen für den Umgang. Dabei werden die klassischen Polaritäten detailliert beschrieben und Tipps zum Umgang konkret gegeben.

Kap. 4 macht Mut die wissenschaftliche und die praktische Perspektive auf Organisationen zu verbinden, um für die Praxis zu Lösungen zu kommen, welche wissenschaftlich fundiert und erkenntnistheoretisch eindeutig formuliert sind. Dennis Wittrock liefert die Sprache dazu.

Das Buch verbindet Wissenschaft und Praxis; Anleitung, Kritik und Reflexion. Es bietet einen umfassenden Blick auf Holacracy im Speziellen und alternative Ansätze des Organisierens im Allgemeinen. Für alle, die Interesse an Strukturen der Arbeitswelt von morgen haben, ist das Buch ein gelungenes Kompendium.”

Dr. Nadine Sukowski

Professorin für integrales Management und Wirtschaftspsychologie, DHBW und Steinbeis Hochschule

⭐️⭐️⭐️⭐️ (Amazon) Holakratie tiefer verstehen

“Ich freue mich sehr über das Buch vom „Holakratie-Altmeister“ Dennis Wittrock.

Die Einführung von Brian Robertson liegt schon fast zehn Jahre zurück, Jo Aschenbrenner hat vor fünf Jahren etwas die Holakratie gestreift in ihrem Buch „For Purpose“ und neben meiner jetzt teilweise veralteten Zusammenfassung gibt es wenig Literatur von Praktikern. Stefan Kühl hat sich kritisch in zwei Publikationen 2023 mit der Holakratie befasst. Allerdings schien mir Kühls Auseinandersetzung etwas zu einseitig und theoretisch aus der Ferne, es fehlte bei ihm die gelebte Praxis. „Richtig“ beurteilen kann man ein System doch erst, wenn man mehrere Jahre in ihm gelebt oder mit ihm gespielt hat. Alles andere ist „nur“ distanzierte Ethnologie.

Dennis Wittrock beschreibt im ersten Kapitel das System der Holakratie auf Basis der neuen Verfassung. Das ist ein gelungener kurzer Überblick zum Status Quo. Im zweiten Kapitel geht er auf wesentliche Kritikpunkte an der Holakratie umfassend ein. Das ist eine fundierte Auseinandersetzung mit Kühls Thesen und er bringt eine Vielzahl von schlüssigen Gegenargumenten. In den beiden folgenden Kapiteln weitet er den Blick, indem er Modelle wie das Polaritätsmanagement oder verschiedene Argumentationsfiguren benennt, um die Perspektive Kühls besser zu verstehen und einzuordnen. Diese Teile waren mir persönlich teilweise zu abstrakt und „theoretisch“, aber weiten den Blick.
Dennis Schreibweise ist klar, nüchtern, sachlich mit leichten Anflügen von Ironie und manchmal auch Sarkasmus. Das lockert auf.

Alles in allem ist das Buch eine redliche und fundierte Darstellung der Holakratie sowie eine umfassende Antwort auf die Kritik von Kühl. Das Buch ist sehr zu empfehlen für Menschen, die sich tiefer mit dem Ansatz der Holakratie auseinandersetzen möchten und eine eigene Position zur Kritik von Kühl finden möchten.

Es gibt zwei kleine Schönheitsfehler, die aber nicht wesentlich sind.
Mir fehlt ein kritischer Beitrag im Literaturverzeichnis von der „Holakratie-Konvertitin“ Aimee Groth, der im Netz unter dem Titel „Is holacracy the future of work or a management cult?“ zu finden ist. Spannend ist, dass Aimee das Vorwort von Dennis Buch geschrieben hat. Desweiteren fehlt im Literaturverzeichnis auch mein Buch „Soziokratie, S3, Holakratie…“, in dem ich alle drei Ansätze beschreibe und auch kritisch einordne. Hier gibt es sicher auch einen leichten Anflug von gekränkter Eitelkeit von meiner Seite 😊.

Anders als bei Amazon angegeben hat das Buch „nur“ 213 Seiten und ist mit gut 50 Euro schon ziemlich teuer. Dafür gibt es eine Gratis-Online-Version , die in der Hardcover-Version mit enthalten ist.”

Mag. Christian Rüther, MBA

Soziokratie-Berater und Kommunikationstrainer